Mobilfunkanbieter können detaillierte Aufzeichnungen über Anrufe, Textnachrichten und Datensitzungen jahrelang aufbewahren, wodurch ein erhebliches Datenschutzrisiko entsteht, falls diese Informationen offengelegt werden. Diese Aufzeichnungen können zeigen, mit wem eine Person kommuniziert, wo sie sich aufhält und wie ihr Tagesablauf strukturiert ist.
Das Risiko wurde im April 2024 deutlich, als AT&T ein Datenleck bekannt gab, das Kommunikationsprotokolle von 109 Millionen Kunden betraf, darunter aktuelle und ehemalige Abonnenten. Die betroffenen Daten umfassten Telefonnummern, die Anzahl von Anrufen und Textnachrichten, die Gesprächsdauer sowie Standortinformationen aus dem Zeitraum von Mai bis Oktober 2022 und aus dem Januar 2023.
AT&T erklärte, dass die Aufzeichnungen keine Gesprächsinhalte, Kundennamen oder Sozialversicherungsnummern enthielten. Metadaten können jedoch trotzdem äußerst aufschlussreich sein. Call Detail Records geben typischerweise an, wer an einer Kommunikation beteiligt war, wann sie stattfand, wie lange sie dauerte und in vielen Fällen, welcher Funkzellenstandort genutzt wurde. Separate Signalisierungsdaten helfen den Anbietern bei der Verwaltung und Fehlerbehebung von Anrufen und Nachrichten.
Zusammengenommen können diese Informationen enge Beziehungen offenlegen, wahrscheinliche Wohnorte und Arbeitsplätze identifizieren und wiederkehrende Muster rekonstruieren. Metadaten können außerdem mit öffentlich zugänglichen Informationen kombiniert werden, um Identitäten festzustellen. Der Artikel zitiert Malte Spitz, der 2011 etwa 35.000 Datensätze von seinem Telekommunikationsanbieter erhielt und damit mehrere Jahre seiner Aktivitäten rekonstruierte.
Lange Aufbewahrungsfristen machen diese Aufzeichnungen zu attraktiven Zielen. Datenschutzrichtlinien von Mobilfunkanbietern beschreiben die Aufbewahrung häufig als so lange wie für die angegebenen Zwecke erforderlich, ohne einen genauen Zeitraum zu nennen. Im Jahr 2022 teilten Anbieter der FCC mit, dass bestimmte Geolokalisierungsdaten bis zu fünf Jahre gespeichert werden könnten. Telekommunikationsdaten waren außerdem Ziel großer Datenlecks und können für Verhaltensprofile, Werbung, Datenhandel und behördliche Anfragen verwendet werden.
Das zentrale Datenschutzargument lautet, dass Informationen, die kurz nach ihrer Nutzung gelöscht werden, Jahre später nicht gestohlen werden können. Cape, der im Ausgangstext vorgestellte Mobilfunkanbieter, erklärt, dass das Unternehmen die erhobenen Daten begrenzt und Metadaten zu Anrufen und Textnachrichten automatisch löscht. Nach den angegebenen Aufbewahrungsfristen werden SIP-Nachrichten 14 Tage, interne Call Detail Records einen Tag, Abrechnungsdaten 30 Tage und tägliche Nutzungssummen bis zu 60 Tage gespeichert.
Cape zufolge werden SIP-Nachrichten vorübergehend aufbewahrt, um Netzwerkprobleme zu untersuchen, bevor sie in interne Datensätze umgewandelt und gelöscht werden. Die Tagessummen umfassen die Anzahl der Anrufe sowie der SMS- und MMS-Nachrichten und die an einem Tag verwendete Datenmenge. Von Partnernetzen bereitgestellte Abrechnungsdaten werden bis zu 30 Tage aufbewahrt, damit Abrechnungsstreitigkeiten geklärt werden können.
Cape erklärt außerdem, dass das Unternehmen Netzwerkkennungen regelmäßig wechselt, um die Möglichkeit von Funkmastbetreibern und Partnernetzen zu verringern, ihre Protokolle einzelnen Abonnenten zuzuordnen. Das Unternehmen beauftragte Trail of Bits im Mai und Juli 2026 mit der Überprüfung seines Aufbewahrungssystems. Die veröffentlichte Bescheinigung ergab keine Hinweise darauf, dass Datensätze über die angegebene Richtlinie hinaus aufbewahrt wurden oder dass Cape aus CDRs einzelne Kundeninformationen über die Tagessummen hinaus extrahierte und speicherte.
Der Ausgangstext argumentiert, dass Aufbewahrungspraktiken als Teil des individuellen Bedrohungsmodells betrachtet werden sollten, insbesondere für Journalisten, Führungskräfte, Sicherheitsexperten und alle, die mit Ärzten, Anwälten oder vertraulichen Kontakten kommunizieren. Wenn ein Anbieter weniger Daten speichert, wird auch der Umfang dessen begrenzt, was bei einem künftigen Datenleck offengelegt werden kann.
Quellen: BleepingComputer.